Kontrakt

Plot für Gruselgeschichte

 

Ein Gescheiter hat es dank seiner Talente zu allem gebracht und wird dafür von vielen hoch geschätzt und verehrt. Kritikern ist er hingegen verdächtig. Die ihn bewundern sind ihm notwendige Anhänger und lästige Kletten zugleich, alle anderen sowieso entbehrlich. Unzufrieden und getrieben sucht der Gescheite nach der großen Herausforderung für seinen brillanten Intellekt.

 

In einem Zeitungsinserat stößt er auf folgende Botschaft:
Schmale Geister gesucht – Vergütung überirdisch – Chiffre 666.

 

Man verabredet ein Treffen und schließt auch gleich einen Kontrakt.

Der Gescheite besorge Sechssechssechs hunderttausend schmale Geister für das ewige Schüren kleiner Feuer auf engstem Raum. Dafür bekomme der Gescheite den Ruhm eines Napoleon, Sechssechssechs die Aussicht auf die Entfachung einer höllischen Feuersbrunst.
Bevor der Gescheite mit Blut unterzeichnet, erhöht er eigenwillig auf eine Million schmale Geister und erwartet dafür den Ruhm Alexander des Großen.

Abgemacht!

 

In nur wenigen Jahren hat der Gescheite seine Abmachung erfüllt. Und ein Teil der Welt feiert seinen Verstand wie das taktische Genie Alexander des Großen.

 

Es folgt ein zweiter Kontrakt.
Der Gescheite bietet zehn Millionen schmale Geister und verlangt dafür das Pferd Alexander des Großen, Bukephalos, aber in Einhornweiß, sowie dessen Streitbogen und den Siegerlorbeer. Eigenwillig erhöht er sogleich auf hundert Millionen und verlangt zusätzlich einen Herrschertitel, größer als jeden, der jemals von einem Menschen geführt wurde, und der sein Andenken unsterblich machen würde. Dann erhöht er auf eine Milliarde und verlangt zusätzlich die Unterwerfung von Sechssechssechs unter die Herrschaft seiner selbst.
Der dritte Passus wird von Sechssechssechs unter entsetzlichem und entsetztem Knurren radiert.
Abgemacht!

 

In wenigen Jahren hat der Gescheite seine Abmachung erfüllt.

 

– – –


Warum wusste Sechssechssechs, dass er den dritten Passus des zweiten Kontrakts radieren musste?
Welchen überirdischen Titel muss Sechssechssechs zwangsläufig dem Gescheiten zuweisen?

 

– – –

 

Natürlich hat Sechssechssechs den Gescheiten bereits bei der Erfüllung des ersten Kontrakts genauestens studiert. Und als er erkannte, wie dieser mit seinem unübertroffen kultivierten Unterhaltungstalent Gelächter, Gegröle, Geklatsche, Jubel, Heiterkeit, Ekstase, Erregung und andere beglückende Gefühle in vielen schmalen Geistern entfachte, wenn er doch selbst skrupellos Frauen begrapschte, Behinderte verspottete, Helden entehrte, Schwache entwürdigte, Wahrheiten verdrehte, log und betrog und viele Schandtaten mehr, und damit viele schmale Geister in seine Gefolgschaft verführte, da wurde Sechssechssechs glas klar, dass er keinesfalls das Allerletzte riskieren durfte.

 

Und der Titel, der Sechssechssechs dem Gescheiten zuweisen muss, ist: „Komm!“

Eine kreative freigeistige Auseinandersetzung mit einem christlichen Mythos.

Druckversion Druckversion | Sitemap Diese Seite weiterempfehlen Diese Seite weiterempfehlen
© Niekalt Verlag, Bernard Glasa